Essen und Trinken
Essgewohnheiten kennenlernen
Auch Menschen mit Diabetes müssen nicht auf die Entdeckung der kulinarischen Besonderheiten ihres Reiselandes verzichten. Machen Sie sich am besten schon zu Hause vertraut mit den Essgewohnheiten Ihres Urlaubsziels. Einen ersten Überblick gibt Ihnen Ihr Reiseführer. Wesentlich genauer informieren Sie Kochbücher. Inzwischen gibt es sie in deutscher Sprache zu (fast) jeder nationalen Küche. In der nächsten öffentlichen Bibliothek werden Sie mit Sicherheit fündig.
hochHauptnahrungsmittel und Zubereitung
Studieren Sie, welche Grundnahrungsmittel Ihre Urlaubsküche bevorzugt. Es empfiehlt sich, den Kohlenhydratgehalt von Nahrungsmitteln und Gerichten in fernen Ländern vor einer Reise zu erkunden. Werden die Gerichte mit Reis, Brot oder Nudeln gereicht. Wird viel oder wenig Gemüse verwendet? Welche Gerichte werden mit viel Fett zubereitet? Mit einer Austauschtabelle können Sie schon im Vorfeld abschätzen, welche landestypischen Gerichte wie viele BE/KHE und wie viele Kalorien liefern. Eine grobe Einordnung ist durch den Vergleich mit ähnlich bekannten Nahrungsmitteln meist möglich.
hochFremde Nahrungsmittel
Falls Sie trotz Vorbereitung ein fremdes Nahrungsmittel auf der Speisekarte finden, müssen Sie abschätzen. Wenn Sie unsicher sind, dosieren Sie Ihr zu spritzendes Insulin vorsichtig. Messen Sie nach einer Stunde Ihren Blutzuckerspiegel. Bei Bedarf können Sie nachspritzen.
hochBE-Angaben per SMS aufs Handy
Nicht auf jedes Lebensmittel können Sie sich vorbereiten. Dennoch lässt sich auch im Urlaubsland die BE/KHE herausfinden. Einen entsprechenden Service bietet Diabetes-world kostenlos an: Sie schicken eine SMS mit dem fraglichen Nahrungsmittel an eine Datenbank, die BE/KHE-Angaben erhalten Sie ebenfalls als SMS direkt auf Ihr Handy. Die Kosten für Ihre SMS und das Abrufen tragen Sie. Tipp: Erkundigen Sie sich schon zu Hause, was eine SMS in Ihrem Reiseland kostet. Die Anmeldung für diesen BE-Informations-Service können Sie hier vornehmen.
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Abschätzen trainieren
Trainieren Sie noch einmal Ihre Fähigkeiten, den Kohlenhydratgehalt bestimmter Brot-, Reis- und Nudelmengen abzuschätzen.
- Brötchen = 1/2 Brötchen = ca. 1 BE/KHE
- Mischbrot = 1/2 Scheibe = ca. 1 BE/KHE
- Reis gek. = 2 Esslöffel = ca. 1 BE/KHE
- Nudeln gek. = 2 Esslöffel = ca. 1 BE/KHE
- Butterkeks = 2 Stück = ca. 1 BE/KHE
Alkohol verändert den Insulinwirkungs-Bedarf
Längst werden Menschen mit Diabetes nicht mehr mit einem Alkoholverbot belegt, aber nicht vergessen werden sollte das Risiko, nach Alkoholgenuss zu unterzuckern. Alkohol hemmt die Zuckerproduktion der Leber. Es empfiehlt sich, Alkohol nur zu einer kohlenhydratreichen Mahlzeit zu trinken. Die Blutzuckersenkende Wirkung des Alkohols setzt bei leerem Magen schnell und stark ein. Des Weiteren hemmt Alkohol die Magenentleerung, dadurch kommen die Kohlenhydrate langsamer als sonst ins Blut. Alkohol in geringen Mengen (Zwei-Gläser-Regel) ist auch für Menschen mit Diabetes unproblematisch.
Falls Sie mehr Alkohol trinken, essen Sie sicherheitshalber zusätzliche Kohlenhydrate oder spritzen sie weniger Insulin. Bei alkoholischen Getränken, welche kohlenhydratarm oder kohlenhydratfrei sind, steigt das Unterzuckerungsrisiko. Spritzen Sie für alkoholische Getränke, die Kohlenhydrate enthalten kein Insulin, sonst erhöhen Sie das Risiko eine schwere Unterzuckerung zu bekommen. Nie vor einem Fest mit Alkohol das Insulin ganz weglassen. Bei Alkoholgenuss und viel Bewegung z.B. in einer Disconacht, wird das Unterzuckerungsrisiko häufig unterschätzt. Essen Sie zwischendurch Kohlenhydrate und kontrollieren Sie Ihren Blutzuckerspiegel, so können Sie eine Hypoglykämie vermeiden.
Unterzuckerungen durch Alkoholgenuss am Abend können zum Teil auch noch am Vormittag des nächsten Tages auftreten! Haben Sie z.B. abends Alkohol getrunken, ist es sicherer, einen evtl. erhöhten Blutzuckerspiegel erst am nächsten Morgen zu korrigieren. Bei Behandlung einer Unterzuckerung nach Alkoholgenuss kann Glukagon weniger wirksam sein als sonst. Bei einer alkoholbedingten Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit sollte deshalb ein Arzt gerufen werden.
hochVorbeugen gegen Reisedurchfall und Infektionen
Hygienebedingungen, Gewürze und Verzehrsgewohnheiten in anderen Ländern werden oft unterschätzt. Reisedurchfall ist die häufigste Reiseerkrankung. Empfohlene Vorsichtsmaßnahmen erfahren Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Falls Sie trotz aller Vorsichtsmassnahmen Erbrechen oder Durchfall bekommen sollten, denken Sie daran, dass Ihr Körper immer Insulin braucht, auch wenn Sie nichts essen und Sie die Nahrung nicht bei sich behalten können.
Kohlenhydratzufuhr bei Erbrechen:
- Salzstangen gleichen den Salzverlust aus. 15-20 Stück entsprechen 1 BE/KHE
- Colagetränke schlagen Sie vorher die Kohlensäure heraus. Colagetränke stoppen den Brechreiz. 1/2 kleines Glas (ca.100ml) entspricht 1BE/KHE
- Zwieback, 2 Stück = 1 BE/KHE
- Banane, 1/2 Banane = 1BE/KHE
Tipps für Kohlenhydratzufuhr bei Durchfall
- Gezuckerter schwarzer Tee. Pro Tasse 1 Prise Salz und 2 Teelöffel Traubenzucker zufügen
- Zwieback, Banane
- Geriebener Apfel
Anschließend vorsichtig auf fettarme, leicht verdauliche Kost übergehen. Der typische Durchfall bei Reisen dauert in der Regel 1-3 Tage. Nehmen Sie vorsorglich das Nötigste von zu Hause mit.
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