29.05.2006; Wieder in Kathmandu
Es ist der 29. Mai und ich habe es mit (Wetter)Hindernissen geschafft, wieder nach Kathmandu zu kommen. Die Menschen scheinen hier alle glücklich und voller Hoffnung.
Während wir in den Bergen waren, musste der diktarorisch regierende König nach wochenlangen Protesten einer geeinten Bevölkerung seine Macht abgeben, eine allgemein akzeptierte Übergangsregierung bereitet Parlamentswahlen vor. Das Land hat erstmals seit Jahren Frieden.
Fast drei Wochen hatte ich keine Möglichkeit, Berichte zu schreiben. Ich hoffe aber doch, dass die englischsprachigen, fast täglichen Berichte von Alpine Ascents entschädigt haben. Am 11.5. haben wir unseren "Urlaubsort" Deboche verlassen und sind in 3 Tagen wieder ins Basislager aufgestiegen. Eigentlich wollten wir hier einige Tage bleiben, doch die Wetterprognose zwang uns zu anderem. Es soll nur bis 20.5. schön bleiben und dann für etliche Tage stark schneien. Das heisst, spätestens am 15.5. in höhere Regionen aufbrechen.
Am Montag, den 15.5. steigen wir in den frühen Morgenstunden ein letztes Mal in den Eisfall ein. Unser Ziel ist nicht das lawinengefährdete Lager I, sondern gleich Lager II. Zwei Lawinen gehen unweit von uns ab, eine macht uns zu Schneemännern. Mehr passiert nicht. Nach knapp 11 Stunden erreichen wir das komfortable Lager II, einen Ruhetag haben wir uns verdient.
Dieses Lager, das im sonnenausgesetzten Western Cwm liegt, kann unheimlich heiss werden - am Ruhetag messen wir 40 Grad im Zelt - kaum auszuhalten. Am 17.5. werden die ersten Gipfelerfolge auch von der Südseite vermeldet. Wir steigen durch den steilen Teil der Lhotse-Wand zu bereits bekanntem Lager 3 in 7300m auf. Doch diesmal steht uns kein schlechter Schlaf ins Haus. Wir atmen beim Schlaf 0,5 l/min Sauerstoff, und das macht den grossen Unterschied.
Am nächsten Tag steigen wir weiter durch die steile Wand. Oberhalb des Gelben Bandes (7600m) wird die Lhotse-Wand dann flacher, über den Genfer Sporn erreichen wir nach gut 6 Stunden den berühmten Südsattel in 7930m Höhe. Starker Wind, Flucht ins Zelt, einrichten für 30 Stunden auf diesem trostlosen Platz - oder doch viel weniger?? Ich bin mit Vern im Zelt - wir trinken und essen Nudelsuppe, die Blutzuckerwerte sind optimal.
Die Bergsteiger-Prominenz wird etwas nervös. Alle Wettervorhersagen geben an, dass nur noch in dieser Nacht der Gipfel möglich ist, dann kommt starker Wind und Schneefall für mehrere Tage. Und heute ist der Wind auch schon bei 75 km/h!! Es hilft nichts, wir muessen um 23 Uhr raus in die stürmische Wirklichkeit und beginnen uns, das eisige Triangular Face hinaufzuarbeiten - und das nur nach wenigen Stunden Ruhe nach dem anstrengenden Aufstieg zum Südsattel. Der späte Aufbruch lässt uns nur 13 Stunden Zeit, um den Gipfel zu erreichen, 12 Uhr ist absolute Umkehrzeit, um noch vor der Dunkelheit das Zelt zu erreichen. Nach 2 Stunden ist unser erster Gipfelversuch zu Ende, bei kaum Sicht versuchen wir unser Lager zu erreichen.
Erinnerungen an die Tragödie von 1996 werden wach, ich kann nun verstehen, wie man den Südsattel erreichen kann, ohne je sein Zelt zu finden. Es hat Kraft gekostet, aber jetzt heisst es erholen bis zum nächsten Abend und hoffen, dass dann kein Sturm bläst. Der nächste Tag ist wunderschön und windstill und er bleibt es bis zum Abend. Um 20 Uhr brechen wir auf, erreichen nach 2 Stunden steileres Gelände mit Fixseilen und steigen beständig weiter, erreichen um 1.30 Uhr den Balcony, eine flache Stelle in 8430m, gut zum Rasten. Während des steilen Anstiegs hinauf zum Südgipfel wird es Tag, herrliche Ausblicke auf die Berggiganten Lhotse, Makalu und das tibetische Hochplateau. Um 6.30 ist der zweithöchste Gipfel der Welt (8751m) erreicht.
Nochmals eine längere Pause. Um 7 Uhr errerichen Dave, Ali, Chris, Chewang und Thapke den Gipfel. Für den Rest der Truppe dauert der ausgesetzte Gipfelgrat mit dem berühmten (aber wenig Furcht einfloessenden) Hillary-Step noch fast 2 Stunden - knapp vor 9 Uhr stehen wir auf dem Dach der Welt in 8850m Höhe.
Ich spüre auch in dieser sauerstoffarmen Welt, was mir hier gelungen ist und ich bin ziemlich bewegt. Dennoch weiss ich, dass noch ein gefährlicher Abstieg vor mir liegt und Sicherheit erst im Basislager gegeben ist.
Es werden beinharte 2 Tage des Abstiegs und erst unten fällt die Riesenlast ab. Vom 24.-26.Mai wandern Suzanne, Chris und ich nach Lukla (die anderen chartern einen Helikopter, Dave versucht den Lhotse solo). Das Wandern ist nun mit zerschundenen Füssen kein Vergnügen mehr, wir wollen nur noch heim. Nach wetterbedingtem Festsitzen in Lukla haben wir nun endlich den Luxus von Kathmandu errreicht. Allerdings ist unser Gepäck in Lukla hängengeblieben. Die Sehnsucht nach der Heimat wird nun immer grösser, fast 8 Monate bin ich nun unterwegs.
In Kathmandu habe ich gelesen, dass ich als der erste Diabetiker am Everest gefeiert werde. Das ist zwar dem Buchstaben nach richtig, aber Bergsteigen soll kein Wettlauf sein. Nachdem es Jahrzehnte unmöglich schien, dass ein Diabetiker den Everest erreichen kann, haben nun fast gleichzeitig zwei Diabetiker den Gipfel erreicht - der Amerikaner Will Cross am 23.5. Er hat auch noch eine Menge anderer Abenteuer bestanden (www.peaksandpoles.com).
Ich glaube, man kann sagen, dass WIR (beide) einiges an neuen Akzenten für das Diabetikerleben aufgezeigt haben.
Bis bald in der Heimat
Geri Winkler
23.05.2006; Zwischenbericht aus dem Basislager
Hallo an Alle,
wow! Jetzt ist mir der grosse Anstieg vom Toten Meer zum Gipfel des Everest tatsächlich gelungen - ausführliche Berichte über die letzten Tage zum Gifel in den Cybercasts von www.alpineascents.com.
Jetzt bin ich wieder im sicheren Basecamp, geniesse das gute Gefühl mit meinen Begkameraden, oben gewesen zu sein und muss das alles erst verarbeiten und die Müdigkeit abschütteln. Morgen werde ich das Basislager verlassen und versuchen, in drei Tagen Lukla zu erreichen, von wo ich am folgenden Tag nach Kathmandu ausfliegen möchte.
Ausführlichere Berichte kommen dann in Kathmandu, wenn ich wieder Zugang zu regulären Internetcafes habe.
Liebe Grüsse aus dem Everest Basislager
Geri Winkler
22.05.2006; Rückkehr ins Basislager
Hallo an alle nEVEREST-Interessierte,
Geri und das gesamte Expeditionsteam haben den sicheren Abstieg vom Gipfel hinab ins Basislager erfolgreich hinter sich gebracht.
Das gesamte Team im Basislager hat sie herzlich in die Arme geschlossen. Jetzt heißt es, sich ein wenig von den Anstrengungen zu erholen und das Erlebte zu verarbeiten.
Geri wird sich in den nächsten Tagen melden und uns von seinen berauschenden Gefühlen, dem einmaligen Ausblick und den Anstrengungen der letzten Tage berichten.
Ihr Team von Bayer Ascensia
20.05.2006; Geri hat es geschafft
Hallo an alle nEVEREST-Interessierte,
Geri und das gesamte Expeditionsteam stehen auf dem Gipfel des Everest, dem Dach der Welt.
Gegen 8.50 Uhr Ortszeit erreichte Geri mit der zweiten Gruppe den Gipfel. Die Wetterbedingungen waren nahezu optimal. In den letzten Stunden des Anstiegs kam sogar zur Begrüßung die Sonne zum Vorschein. Ohne Handschuhe wurde die frohe Meldung an das Team im Basislager durchgegeben.
Mittlerweile ist das komplette Kletterteam nach einer ausgiebigen Photosession auf dem Gipfel zum Camp 4 zurückgekehrt.
An dieser Stelle noch einmal Herzlichen Glückwunsch an das Team und Geri. Viel Glück beim weiteren Abstieg.
Die letzten Berichte können Sie auch unter: www.alpineascents.com abrufen
Ihr Team von Bayer Ascensia
19.05.2006; Erster Gipfelanstieg abgebrochen
Hallo an alle nEVEREST-Interessierte,
das Team befindet sich momentan in Camp 4 und hat einen ersten Versuch den Gipfel zu besteigen, auf Grund von schlechtem Wetter ebbrechen müssen.
Eigentlich war eine 24 Stunden Erholungspause geplant gewesen, bevor der finale Anstieg durchgeführt werden sollte, aber es bestand die Chance mit einer ersten Gruppe während einer guten Wetterphase den Versuch zu unternehmen.
Jetzt soll morgen ein neuer Versuch unternommen werden. Bis dahin gilt: Ausruhen und auf das Wetter zu hoffen.
Wir drücken weiterhin die Daumen.
Ihr Team von Bayer Ascensia
17.05.2006; Team erreicht Camp III
Hallo an alle nEVEREST-Interessierte,
das komplette Team um Geri Winkler hat nun Camp III erreicht.
Momentan sieht das Wetter weiterhin gut aus, so dass einem weiteren Aufstieg nichts im Weg steht.
Wir drücken weiterhin die Daumen.
Ihr Team von Bayer Ascensia
16.05.2006; Gipfelanstieg - CampII
Hallo an alle nEVEREST-Interessierte,
das komplette Team um Geri Winkler ist im finalen Anstieg zum Gipfel.
Momantan sind sie bis Camp II aufgestiegen. Bis auf einen Husten bei vier Teilnehmern geht es allen gut und das Wetter spielt momentan mit.
Wir drücken weiterhin die Daumen.
Ihr Team von Bayer Ascensia
14.05.2006; Zurück im Basislager
Hallo nEVEREST-Interessierte,
Geri Winkler und das Team sind nach 6 Tagen Erholung in Deboche wieder ins Basislager auf 5400 m Höhe zurückgekehrt.
In den nächsten zehn Tagen soll der finale Anstieg zum Gipfel in Angriff genommen werden.
Die Stimmung ist ruhiger als sonst, da jeder an die bevorstehende Aufgabe der Gipfelbesteigung denkt.
Das Basislager mit den persönlichen Schlafzelten ist für die Teammitglieder schon ein zweites Zuhause geworden. Gestern wurde die komplette Ausrüstung und die Sauerstoffkomponenten (Sauerstofflaschen, Masken, Schläuche) noch einmal überprüft.
Das Team meldet sich wieder vom Camp II.
Alles Gute wünscht das Team von Bayer Ascensia.
09.05.2006; Abstieg nach Deboche (3770m)
Noch gibt es keine Sauestoffflaschen. Wer mehr Sauerstoff will, der muss tief absteigen. Genau das haben wir gemacht. Wir sind nun in dem kleinen Doerfchen Deboche unweit des beruehmten Klosters Tengpoche und geniessen das Grün der Landschaft, die "dicke" Luft. Wir haben wieder Appetit, essen, was wir können und leben vom Nichtstun.
Genau eine Woche waren wir am Berg gewesen, vom 30.4. - 6.5. Der Aufstieg in die Lager 1 und 2 ging nun schon um einiges leichter. Dann zwei Ruhetage, ein geplanter, ein ungeplanter. Wir konnten nun schon leichter schlafen in 6500m Höhe (Lager2).
Am 3.5. versuchten wir uns estmals an die berühmte Lhotse-Wand ranzumachen. Sie beginnt gleich mit einer fast senkrechten Eispassage. Ein eisiger Wind vom Südsattel weht den wenigen losen Schnee genau in den Einstieg. Bald müssen wir einsehen, dass wir heute nicht weiterkommen - Rükkehr zu Lager2.
Am 4.5. ist es dann ernst. Nach 2 Stunden erreichen wir den Einstieg in die steile Wand. Auch heute weht kalter Wind herab, aber irgendwann muessen wir ja da durch. Grosse Teile dieser steilen Wand sind blankes Eis - Meter für Meter geht es, gesichert an Fixseilen, hinauf auf 7250m Hoehe - einige Zelte an einer etwas flacheren Stelle. Aber ausrutschen darf man hier nicht. Appetit fast null, schlafen beschränkt sich auf dösen - mehr ist in dieser Höhe fürs erste nicht drin.
In den folgenden zwei Tagen erreichen wir am 6.5. wieder das Basecamp, am folgenden Tag geht es gleich weiter bergab nach Pheriche, am 8.5. dann weiter hinab bis auf 3770m Hoehe nach Deboche - grün, Rhododendron, wieder ein Bett, leider kaum Sonne, Erholung für wenige Tage, ehe es endgültig an den Aufstieg gehen soll.
Am 13.5. wollen wir wieder ins BC zurueckkehren, und dann heisst es auf günstiges Wetter warten.
Unter idealen Bedingungen kann man den Gipfel in 8 Tagen ab BC machen.
Bis dann
Geri Winkler
08.05.2006; Wieder im Basislager
Hallo an alle nEVEREST-Interessierte,
nach dem Ausflug zum Camp 3 in 7200m Höhe ist das Team wieder wohlbehalten im Basislager angekommen. Jetzt steht für alle wieder eine Erholungsphase an mit einer warmen Dusche und Kaffee.
In Kürze werden hier die neusten Photos und Geris Bericht erscheinen.
Weiterhin wünschen wir allen viel Erfolg.
Ihr Team von Bayer Ascensia
04.05.2006; Das Team erreicht Camp 3
Das Team hat laut dem Bericht auf www.alpineascents.com geschlossen das Camp 3 in einer Höhe von 7200 Metern erreicht.Sobald sie wieder zurück im Basislager sind, gibt es aktuelle Photos.
Ihr Team von Bayer Ascensia
02.05.2006; Expedition momentan im Camp 2
Hallo an alle nEVEREST 9000+ Interessierte,
Geri Winkler befindet sich zur Zeit mit der Expeditionsgruppe im Camp2 am Mount Everst in einer Höhe von 6400m.
Sobald er wieder im Basiscamp eintrifft schildert er seine neusten Eindrücke und Erlebnisse.
Drücken wir allen Expeditionsteilnehmern weiterhin die Daumen.
Ihr Team von Bayer Ascensia.
Spruch des Tages
Nicht die Gastfreundschaft der Araber vergessen, wenn ich ihnen in meinem Land begegne!

